Über das Kunstprojekt
Ein Preis ist
noch kein Wert.
„Wir kaufen dein Leben“ ist ein interaktives Kunstprojekt über eine vertraute Zumutung: dass sich ein Mensch in Zahlen ausdrücken lassen soll.
Eine fiktive Ankaufsplattform verspricht, dein Leben in wenigen Minuten zu bewerten. Sie fragt nach Baujahr, Laufleistung und Ausstattung. Die Sprache kennst du. Der Gegenstand ist diesmal ein anderer.
Das Kunstprojekt erlebenDie Idee
Was bleibt von einem Menschen, wenn nur seine Verwertbarkeit zählt?
Abschlüsse, Arbeitsstunden und Reichweite werden im Modell zu Zuschlägen. Sorgearbeit, Krankheit und Unterbrechungen erscheinen als Risiken. Freundschaften, Musik und Zeit mit Kindern bekommen keinen Preis. Die Rechnung ist erfunden. Die Fragen, die sie aufwirft, reichen in den Alltag.
Das Werk verbindet Kritik an der Bewertung von Arbeitskraft mit der Verwertung von Aufmerksamkeit und Daten. Es benutzt die ruhige Gestaltung und die serviceorientierte Sprache eines Verkaufsportals. So wird eine Haltung sichtbar, die sich hinter Formularen, Kennzahlen und scheinbar neutralen Entscheidungen verstecken kann.
Die Satire richtet sich gegen diese Maßstäbe. Die errechnete Summe sagt nichts darüber aus, was ein Mensch wert ist.
Künstlerische Position
Wann haben wir angefangen, uns selbst wie Produkte zu behandeln?
Mich beschäftigt eine Konsumgesellschaft, in der wir ständig vergleichen, bewerten und optimieren – irgendwann auch uns selbst. Mit „Wir kaufen dein Leben“ ziehe ich diese Logik bis zu dem Punkt, an dem sie unangenehm wird: Ein Mensch wird zum Angebot.
Ich benutze die vertraute Oberfläche eines Verkaufsportals, weil sie Entscheidungen so mühelos wirken lässt. Mich interessiert der Moment, in dem aus dem Mitmachen ein Innehalten wird. Was lassen wir uns als Wert verkaufen? Und was zählt für uns, obwohl es sich nicht verwerten lässt?
Christian Fischer
Die Erfahrung
Du kannst mitspielen. Du kannst ablehnen.
In fünf kurzen Schritten entsteht ein persönliches, fiktives Angebot. Du kannst einzelne Angaben vergleichen, die Rechnung untersuchen und entscheiden, ob du dein Leben in dieser Inszenierung verkaufst oder behältst. Beide Entscheidungen gehören zum Werk.
Du kannst erfundene Angaben verwenden. Eine Registrierung ist nicht nötig. Das Kunstprojekt funktioniert im Browser auf Smartphone und Computer. Die Bewertung dauert ungefähr drei Minuten; für die anschließende Auflösung kannst du dir mehr Zeit nehmen.
Am Ende lässt sich ein Kassenbon auf dem eigenen Gerät erstellen. Auch dieser Beleg ist Teil des Kunstwerks. Es wird nichts gekauft, bezahlt oder verbindlich vereinbart.
Der Umgang mit Daten
Die Beobachtung bleibt hier.
Die Bewertung verarbeitet deine Eingaben ausschließlich im Browser. Für die Auflösung werden dort auch technische Browsermerkmale und Interaktionen wie Klicks oder die Zeit zwischen Formularschritten ausgewertet. Diese Angaben werden nicht an den Server oder an Dritte gesendet und nicht dauerhaft im Browser gespeichert.
Ein Neustart der Erfahrung oder das Neuladen der Seite verwirft diese Angaben. Einen Kassenbon speicherst oder druckst du nur auf eigenen Wunsch. Informationen zur Auslieferung der Website und zu Server-Logfiles stehen in der Datenschutzerklärung.
Hintergrund und Quellen
Eine präzise Rechnung mit gesetzten Maßstäben.
Der Bewertungsalgorithmus ist eine künstlerische Konstruktion. Persönliche Zu- und Abschläge, Stundenlöhne und Gebühren sind keine verlässlichen Prognosen. Bei der Bewertung lässt sich der Rechenweg unter „Wie dieser Preis erfunden wurde“ nachlesen.
- Statistisches Bundesamt: Gender Pay Gap 2024, veröffentlicht am 13. Februar 2025
Der im Werk aufgegriffene unbereinigte Abstand von 16 % beschreibt einen Unterschied zwischen Gruppen. Ihn auf den Wert einer einzelnen Person zu übertragen, ist Teil der kritisierten Logik.
- Irish Council for Civil Liberties: The Biggest Data Breach, Mai 2022 (PDF)
Die Zahl von 376 täglichen Daten-Offenlegungen in Europa stammt aus dieser historischen Schätzung zum Real-Time Bidding. Sie ist keine Messung des Surfverhaltens der Besucherinnen und Besucher dieses Projekts.
Alle Kundenstimmen, Ankaufsstationen und kommerziellen Erfolgszahlen auf der fiktiven Plattform sind erfunden. Es besteht keine Verbindung zu wirkaufendeinauto.de oder der AUTO1 Group.
Für Presse und Vermittlung
Das Projekt in wenigen Sätzen.
„Wir kaufen dein Leben“ ist eine interaktive Netzarbeit in der Form einer Online-Ankaufsplattform. Besucherinnen und Besucher lassen ihr Leben von einem fiktiven Algorithmus bewerten. Das nicht-kommerzielle Kunstprojekt fragt, wie Menschen durch Arbeitsmarkt, Scoring und Datenhandel zu verwertbaren Größen werden – und was in dieser Rechnung keinen Platz findet.
- Titel
- Wir kaufen dein Leben
- Künstler
- Christian Fischer
- Kontakt
- info@wirkaufendeinleben.de
- Format
- Interaktive Netzkunst / Satire
- Zugang
- Kostenlos, im Browser, ohne Registrierung
- Projektadresse
- wirkaufendeinleben.de
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